Neuer Ortsbeirat

Der Ortsbeirat Odersbach hat sich konstituiert: Der alte und neue Ortsvorsteher ist Heinz Jürgen Deuster (rechts), als seine Vertreter wurden gewählt: Michael Oesterling (3.v.r.) und Dr. Marc Wolfram (in der Mitte). Dazu zwei neue Mitglieder: Knut Lange (2.v.l.) und daneben Lea Georg. Als neuer Vertreter aus dem Magistrat löst Rüdiger Ebel (links) den langjährigen Betreuer Christian Radkovsky ab. Bürgermeister Dr. Johannes Hanisch war wie bei allen anderen konstituierenden Sitzungen der Ortsbeiräte auch anwesend.
Anbei die Rede des neuen Ortsvorstehers Heinz-Jürgen Deuster: Rede des neuen OVs:
Annalena Baerbock, die grüne Kanzlerkandidatin, war in ihrer Jugend mal deutsche Spitzenklasse im Trampolinspringen. Sie sagte mal: wenn man hoch springt, weiß man nicht, ob man auf den Füßen oder auf dem Kopf landet.
Dieser Satz könnte die Situation beschreiben, die wir vor drei Jahren hatten. Im November 2017 hatte sich der amtierende Ortsvorsteher Karl-Peter Wirth aus privaten Gründen zurückgezogen und es musste ein neuer OV gewählt werden. Keiner wollte, weil jeder Respekt vor der Arbeit hatte, die Karl Peter bisher leistete und jeder aber noch beruflich voll eingespannt war. Doch kein OV bedeutete auch: Auflösung des Ortsbeirates. Ein Ortsbeirat, der der bunteste in Weilburg war, zusammengesetzt aus 4 Gruppierungen. So wurde ich auch gefragt, du bist Lehrer, du hast doch Zeit.
Einerseits sah ich die Verpflichtung den Wählern gegenüber, Verantwortung zu übernehmen, andererseits angesichts vieler Aktivitäten als Fraktionsvorsitzender in der Stadt, als Abgeordneter im Kreis und natürlich meinen Beruf traute ich mir eine Arbeit nicht zu, wie sie eben vorher gemacht wurde. Ich wollte eben nicht auf dem Kopf landen, dass die Leute anschließend sagen, was war das für einer? Einige meiner Freunde rieten mir ab, sagten mir offen, wir trauen dir das nicht zu und äußerten nur, was ich selbst auch fühlte.
Angesichts der drohenden Auflösung entschloss ich mich, es wenigstens zu versuchen und wenn ich merken würde, dass ich auf dem Kopf lande, dass ich dann immer noch aufgeben kann. Manchmal weiß man nicht, ob man etwas kann, wenn man es nicht probiert (Gleiches haben sich die Kirmesburschen bei ihrer ersten Kirmes gedacht)
Nun, ich glaube, es hat ganz gut geklappt in den drei Jahren, auf den Füßen zu landen und stehen zu bleiben, so verstehe ich auch das für mich unglaubliche Wahlergebnis, für das ich mich bei allen Wählern in Odersbach ganz herzlich bedanken möchte. Das ist aber nur die halbe Wahrheit.
Wie bei vielen Turnübungen, die man neu macht, benötigt man Hilfestellungen. Der gesamte Ortsbeirat unterstützte meine Arbeit, es gab kaum große Dissonanzen und alle bemühten sich sehr, dass die Nach-Karl-Peter-Zeit erfolgreich verläuft. Insbesondere möchte ich hier Michael Österling hervorheben, der als eine Art rechte Hand viele von außen unsichtbaren Aufgaben erledigte und immer wieder mir zur Seite sprang, besonders sein Wissen als „Eingeborener“ von Odersbach, aber auch nicht mit Kritik sparte und dadurch immer auch einen anderen Blick auf die Sache warf und viele gute Ideen entwickelte. Für diese vertrauliche Zusammenarbeit kann ich ihm nicht genug danken. Ich möchte ihm und aber auch dem gesamten OV mit Jan, Markus und Marc, und ganz herzlich danken, ohne die ich es nie geschafft hätte, die Arbeit des OV erfolgreich zu gestalten. Dazu kommt, dass die Vereine, die traditionell vieles im Dorf anstoßen, vielleicht anfänglich skeptisch, aber ebenso unterstützend meine Arbeit begleiteten. Die 50 Jahr-Feier des Bürgerhauses und vieles mehr, was noch in Vor-Corona-Zeiten möglich war. Auch hier möchte ich die Kirmesburschen nennen, ohne die es den Tag der Umwelt nicht mehr gegeben hätte, die bei Seniorennachmittag nicht mehr wegzudenken sind, und hoffentlich nun auch n Nest gefunden haben mit dem Raum im Bürgerhaus, für den ich mich auch eingesetzt habe.
Viele Bürger haben mich und uns im OB unterstützt, sei es mit Kuchenspenden, Hilfestellungen, Kaffee kochen oder Müll sammeln am Kinderspielplatz oder was auch immer. Dafür möchte ich ebenso ganz besonders bedanken.
Nicht zuletzt geht mein Dank an die Stadt Weilburg und den Bürgermeister, der uns mit vielen Ansinnen unbürokratisch geholfen hat, Dinge umzusetzen, oder wenn wir Hilfe benötigten. Ich bitte diesen Dank an die Verwaltung weiterzutragen
Unser gemeinsames Ziel war, die Gemeinschaft zu unterstützen und fördern, die Menschen mitzunehmen, sie zu informieren, was wir tun, offen zu sein für Anregungen und Kritik, unabhängig davon, welcher Partei man angehörte.
Dann kam Corona und hat vieles lahm gelegt, sei es die Sprechstunden oder der Veranstaltungskalender. In der kurzen Corona-Pause im Sommer nahm ich eine Idee von Knut Lange auf für einen Flohmarkt im Dorf, eben mit dem Ziel, dass Menschen wieder miteinander ins Gespräch kommen, auch wenn es sicherlich dabei einiges zu verbessern gibt, war es ein großer Erfolg. Jetzt sitzt Knut Lange selbst im OB und kann für seine Ideen werben.
Ja, wir haben einiges zu tun, wir wollen wieder hoch springen, wir wollen weiter arbeiten, was wir während der Pandemie noch machen können, z.B. weil wir keinen Seniorennachmittag haben, vielleicht mit den Kindern des Kindergartens zusammen, unser Projekt Linde hier vor dem Spielplatz und einiges mehr, aber dazu brauchen wir wieder all die Unterstützung, die Anregungen und die Kritik, (keiner von uns ist fehlerfrei), aber auch den Mut, neues zu wagen und dass wir bereit sind, wenn wir wieder dürfen, Veranstaltungen anzubieten. Wie die Pandemie die Vereine beeinflusst, ist zum Teil gar nicht abzusehen. Der MGV hatte im letzten Jahr 150jähriges Bestehen, das konnte gar nicht gefeiert werden und er ist außerdem personell sehr unter Stress. Ich kann mir eine Veranstaltung ohne den MGV gar nicht vorstellen.
Ich wünsche mir, damit wir nicht auf dem Kopf landen, dass wir genauso gut zusammenarbeiten, ich freue mich sehr, dass Rüdiger Ebel wieder dabei ist als Magistratsmitglied und besonders freut mich, dass wir mit Lea Georg eine Vertreterin der jungen Generation dabei haben. Wir dürfen uns streiten, das gehört zu einer gesunden Demokratie, aber die gemeinsame Grundlage muss stimmen. Wenn wir alle, OB, Vereine, Bürger mitarbeiten, können wir es schaffen, das Gemeinsame zu pflegen und auszubauen, die Grundlage unseres Zusammenlebens. Mitarbeiten, Vorschläge machen, Kritik üben, ich wünschte mir sehr, wir hätten einen Dorfverschönerungsverein, der sich z.B. um die Bepflanzung von Kübeln usw im öffentlichen Bereich kümmert. Ich wünschte mir sehr, wir hätten so eine Art Dorfkneipe, in der ab und zu Musik gemacht wird, oder einmal im Monat ein Essen für die Bürger. Das geht aber nur, wenn sich Leute dafür finden, die die Sache in die Hand nehmen, wenn der Jagdpächter uns ein Wildschwein spendiert. Ich träume von einer Jugendherberge als Umweltbildungsstätte und einem beheizten Freibad durch erneuerbare Energien.
Ideen sammeln ist schon mal ein Anfang. Machbares zu machen und Nichtmachbares machbar zu machen, und hinzunehmen, dass das nicht immer klappt, das ist unsere Aufgabe. Mut zum Hochspringen und Achten darauf, dass wir auf den Füßen landen. Dazu und zur aktiven Mitarbeit lade ich alle herzlich ein.

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